Norwegen mit Wohnwagen – eine gute Idee?

Norwegen ist ein klassisches Wohnmobil-Reiseziel. Aber mit dem Wohnwagen nach Norwegen – kann das gutgehen? Über steile Passstraßen, durch enge Serpentinen, einspurig an tiefen Abgründen entlang? Vier Wochen und 6000km waren wir mit unserem Vivo 530 in Norwegen unterwegs – und tatsächlich ist alles gut gegangen mit unserem 13-Meter-Gespann. Keine Schäden an Mensch und Maschine zu vermelden.

Landstraße in Norwegen

 

Die Entdeckung der Langsamkeit

Wenn ein Norweger von der „Autobahn“ spricht, meint er in der Regel keine vierspurigen Rennstrecken wie in Deutschland. Schon die E6, die zentrale Nord-Süd-Verbindung in Norwegen, ist etwa 100 km hinter Oslo nur noch einspurig, die Geschwindigkeit ist durchgängig auf 80 km/h heruntergeregelt – und durch zahlreiche fest installierte Blitzer auch gut überwacht. Wer nicht gerade im Lotto gewonnen hat, sollte sich pedantisch daran halten. Zu schnelles Fahren kostet in Norwegen viel Geld. Ich meine: richtig viel Geld. 7 km/h zuviel auf der Landstraße kosten ca. 200 €, und mehr als 30 km/h zu viel kosten über 1000 € – oder wahlweise ein paar Tage Gefängnis. Also: nicht ärgern, Tempomat rein, Landschaft genießen. Es ist einfach wie es ist. Eine Einstellung, die man sich sehnlichst zurückwünscht, wenn man zurück in Deutschland ist wo das Autofahren um ein vielfaches stressiger ist – vierspurige Autobahnen hin oder her.

Fjellstraße zum Lysefjord

 

Strecken-Eignung für Wohnwagen

Der Großteil der norwegischen Straßenwelt ist geprägt von recht gut ausgebauten Landstraßen, die bis auf wenige Ausnahmen auch mit einem Wohnwagen-Gespann befahrbar sind. Einige Strecken sind als “Straßen mit schmalen und kurvenreichen Streckenabschnitten” benannt – und damit eher ungeeignet für große Wohnmobile und Gespanne. Das sind dann teilweise einspurige Schotterpisten mit Ausweichbuchten alle paar hundert Meter, so wie der tolle Strynefjellsvegen oder das Aurlandsfjell. Gleichzeitig sind gerade diese Strecken meist landschaftlich einzigartig schön und sehr lohnend, nur eben ohne Anhänger.

Strynefjellsvegen

Einige Strecken – z.B. der Trollstigen – dürfen generell nur von Gefährten bis zu einer Gesamtlänge von 12,4 m befahren werden, aufgrund der Haarnadelkurven (in Verbindung mit Steigung und Gegenverkehr). Ich hätte den Trollstigen aber auch sonst nicht mit Anhänger fahren wollen – viel zu stressig. Mit dem Auto rauf und nachher wieder runter hat wesentlich mehr Spaß gemacht. Mit Wohnwagen unangenehm fanden wir nur die Straße entlang des Sorfjordes nördlich von Odda, die ständig breiter und dann wieder ganz unvermittelt schmäler wird. Hier mussten wir uns mitsamt Anhänger in Millimeterarbeit an einem entgegenkommenden Lastwagen vorbeizwängen – da waren keine 5 cm mehr Platz.

Trollstigen

 

Tunnel

Seit dem Ölboom hat Norwegen richtig viel Geld in den Straßenausbau investiert und mit vielen neuen Tunneln und Brücken ein Verbindungsnetz geschaffen, das ein recht komfortables Reisen in dem wild zerklüfteten Land möglich macht. Tunnel mit 6-7 km Länge sind nicht selten; am Hardangerfjord gibt es sogar einen Kreisverkehr im Tunnel und der Laerdaltunnel ist mit 24,5 km sogar der längste Straßentunnel der Welt. So wird das Fahren selbst schon häufig zum Spektakel – Norwegen ist ein wahres Tunnel-Paradies.

Laerdaltunnel

 

Reise-Wohnwagen

Obwohl wir auf den Campingplätzen auch Wohnwagen mit 2,5m Breite und 10m Länge gesehen haben, empfiehlt sich zum entspannten Reisen durch Norwegen unbedingt einen Wagen mit 2,3m Breite. Damit kann man auch die meisten Nebenstrecken gut fahren. Von den als kurvig und schmal eingestuften Strecken sind wir lediglich den Sognefjellsvegen mit den Wohnwagen gefahren. Das eigentlich kritische daran waren nicht die Steigungen und Kurven, sondern die lange Abfahrt hinunter zum Sognefjord, von 1400m auf 0m Höhe – eine ganz schöne Herausforderung für die Bremsen. Hier war langsames Fahren im 2. Gang angesagt.

Am Strynsvatn See

 

Reise-Taktik

Die Art des Reisens unterscheidet sich mit Wohnwagen etwas von einem Wohnmobil: während man mit dem Wohnmobil in der Regel jeden Tag alle Sachen einpackt und loszieht, kann man den Wohnwagen an einem günstig gelegenen Ort für ein paar Tage abstellen und dann mit dem Auto Ausflüge in der Umgebung machen. Das hat sich bei uns bestens bewährt, da es vor allem im Fjordland sehr viel zu entdecken gibt. Und auch für die Kinder war es entspannter, jeweils für ein paar Tage eine feste Station zu haben anstatt jeden Tag zu wechseln. An manchen Tagen konnten wir uns so auch aufteilen – wer mochte, ist zum Ausflug mitgefahren, und wer nicht, ist beim Wohnwagen geblieben und konnte chillen. Flexibel und wirklich entspannt für alle.

LMC Vivo 530 K in Norwegen

 

Zugwagen

Wir haben leider keinen Defender oder Jeep Grand Cherokee mit Allrad und 350 PS – brauchten wir in Norwegen aber auch nicht. Mit unserem Seat Alhambra als Zugwagen (Fronttriebler mit 177 PS) sind wir – mit und ohne Anhänger – überall sehr gut durchgekommen. Über alle Berge, Fjelle, Serpentinen und knackige Steigungen. Trotz gut 4 Tonnen Gesamtgewicht mit Besatzung.  Zu meiner großen Enttäuschung haben wir noch nicht mal die Schneeketten gebraucht, um unseren Vivo aus verschlammten und überschwemmten Stellplätzen zu retten. Also: man kann guten Gewissens mit jedem normalen wohnwagentauglichen Auto nach Norwegen fahren. Zumindest im Sommer – im Winter mag das anders sein. Als sicherheitsbedürftiger Mensch sollte man eventuell einen linken Caravan-Außenspiegel als Ersatz dabei haben. Der kann auf einer engen Straße schon mal auf der Strecke bleiben wenn der Gegenverkehr etwas unachtsam ist …

Fahrt zum Strynefjell

 

6000 km – ist das noch Erholung?

Eine berechtigte Frage. Wir haben in den vier Wochen wahnsinnig viel gesehen und erlebt (hier übrigens unsere Norwegen-Route). Klar war es anstrengender als vier Wochen am Strand liegen, aber eben auch viel eindrücklicher und intensiver.  Beim nächsten Mal würden wir ein paar Stationen weniger einplanen, und dafür etwas mehr Zeit pro Station. Es gibt so unendlich viel zu sehen und zu erleben in Norwegen – das schafft man weder in vier noch in acht Wochen. Wiederkommen wird man sowieso, wenn einen das Nordland-Fieber einmal gepackt hat!

 

Mit Wohnwagen übers Sognefjell

 

 

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18 Kommentare
  1. Helmut
    Helmut says:

    Wir wsren in 15 /16 jeweils 6 wochen mit dem WOWA unterwegs,letztere über Polen Balticum Finnland Nordkap Schweden Dänemark u rund 10000 km in2016 unterwegs mit Dacia u 7,20 l u 2,50 unterwegs null Probleme

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  2. Max
    Max says:

    Der Vivo 530k ist über 8m lang. Gab es da keine Probleme mit der Länge?
    Ich war auch schon mit WoAa in Norwegen (7m) und das war schon auf manchen kurvenreichen Straßen grenzwertig.
    Wie sind da deine Erfahrungen?

    Max

    Antworten
    • Stefan Spiegel
      Stefan Spiegel says:

      Hallo Max,
      Mit der Länge hatten wir unterwegs keine Probleme. Klar ist es an vielen Stellen eng gewesen und bei Gegenverkehr unangenehm – z.B. am Hardangerfjord auf dem Weg nach Odda – aber da geht es rein um die Breite, nicht die Länge. Und die Plätze, auf denen wir in Norwegen übernachtet haben, waren so riesig, dass es mit der Länge auch hier nirgendwo Probleme gab. Kleine, kurvige und steile Pass-Straßen wie das Aurlandsfjell sollte man mit dem Gespann so oder so meiden.

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  3. Lisa
    Lisa says:

    Hallo Stephan,

    Ich habe gerade erst angefangen, mich durch deine Berichterstattung durchzulesen, aber eine Frage stellt sich mir direkt: kann man mit Wohnwagen auch mal 2 Nächte wild Campen oder geht das nur für 1 Nacht / eh nur für Zelte und Wohnmobile? Wir planen für diesen Sommer auch einer Tour durch Skandinavien, 8 Wochen sollen es wohl werden, und sind nun am überlegen, ob wir uns einen Wohnwagen kaufen.

    LG

    Antworten
    • Stefan Spiegel
      Stefan Spiegel says:

      Hallo Lisa,
      In Norwegen – genau wie in ganz Skandinavien . kann man durchaus auch mehrere Tage frei stehen. Dafür sollte der Wohnwagen aber autark sein, d.h. eine Batterie haben und einen Abwassertank. Wichtig ist halt keine Spuren oder Hinterlassenschaften in der Umwelt zu lassen 🙂
      Ansonsten: ein traumhaftes Land, und acht Wochen dort ergibt sicher eine unvergessliche Zeit!

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  4. Lothar
    Lothar says:

    Hallo Stefan,
    Dein (Euer) Bericht mit dem Wohnwagen nach Norwegen hat mich nun ermutigt es auch zu machen. Wir haben auch einen LMC530 und wollen aber nur max 2-5-3 Wochen fahren (leider nicht mehr Urlaub) Ich wollte mal fragen, ob es immer nötig ist die Campingplätze vorher zu reservieren ober kann man auf gut Glück fahren. Vor einigen Jahren bin ich nur mit dem Auto gefahren und habe in Hütten geschlafen. Da hat mich dann der Norwegen Virus erwischt und nun möchte ich wieder hin. Damals (ca 15 Jahre her) und auch ende Juli, war es überhaupt nicht voll. Jetzt weiß ich nicht, in wie weit sich das geändert hat. Kann man ohne Probleme Nebenstraßen fahren? Gibt es von der Höhe her Probleme bei Tunneln? Wo sollte man auf gar keinen Fall mit dem Gespann lang. Meine Zugmaschine ist ein Laguna 3 mit 150 Dieselpferdchen. Lg und ich hoffe, Du kannst mir ein paar Tipps geben. Lothar und Familie

    Antworten
    • Stefan Spiegel
      Stefan Spiegel says:

      Hallo Lothar,
      Wir waren erst ab dem 10. August in Norwegen – da war es auf jeden Fall schon sehr ruhig. Ende August haben die ersten Campingplätze schon geschlossen. Die Hauptsaison geht wohl bis ca. Mitte Juli.
      Wir haben keinen Campingplatz reserviert; es war immer genug Platz. Im Juli ist es sicher voller, aber ich würde dann eher jeweils einen Tag vor der Ankunft beim nächsten Platz anrufen und nachfragen – vorab reservieren legt einen viel zu sehr fest, finde ich.
      Von den Straßen her hatten wir sehr wenig Probleme – einige Fjell-Strecken sollte man mit dem Wohnwagen eher meiden, z.B. definitiv das Strynefjell oder das Aurlandsfjell. Mit Tunneln hatten wir nie Probleme, aber Nebenstrecken würde ich eher mit dem Auto fahren – da kann es schon sehr eng werden wenn Gegenverkehr kommt. Z.B. die Strasse vom Setesdal zum Lysefjord – landschaftlich traumhaft, würde ich aber nie und nimmer mit Gespann fahren wollen …
      Viele Grüße, Stefan

      Antworten
      • Lothar
        Lothar says:

        Super, vielen Dank Stefan, für Deine schnelle Antwort.
        Wir haben schon mal die ein oder andere Lektüre bestellt und werden wohl max. bis Trondheim fahren. Nur die E-Str. wollten wir nicht fahren, da das Landschaftlich wohl eher nicht so klasse ist und wohl auch sehr voll. Ich werde auf jeden Fall von mir hören lassen und schreiben wie es war 🙂 Jetzt ist erst einmal die Vorfreude da und der Urlaub könnte sofort los gehen. Ja… einmal Norwegen und man war definitiv nicht das letzte Mal da… 🙂
        LG
        Lothar

        Antworten
  5. Achim Lentzsch
    Achim Lentzsch says:

    Hallo, einfach toll, Euer Bericht.
    Wir haben 2014 eine Scandinavien-Rundfahrt mit dem Wohnmobil gemacht.Mit der Fähre Hitshals-Kristiansand nach Norwegen und dann entlang der Ostküste über Stavanger (mit Preikestolen ), Bergen, Trondheim bis zum Polarkreis, zurück über Lillehammer, Oslo, Göteborg, Malmö, dann über die Brücken nach Kopenhagen zurück nach Hause. Es waren 6300km.
    Und wenn ich Euren tollen Bericht so lese, denke ich gerne an die schöne Zeit zurück, die wir auf unserer Reise erlebt haben. Einfach nurt schön, habt ihr toll gemacht, danke!!!
    Achim

    Antworten
  6. Rudolf K
    Rudolf K says:

    Nachtrag:
    Während unserer Anfahrt Ende Mai 2013 hatten wir in Svolvaer auf den Lofoten noch einen kurzen Schneesturm,
    dann aber ging 14 Tage lang die Sonne nicht mehr unter (Mitternachtssonne).
    Unser Fazit:
    Die LOFOTEN – ein schneebedecktes Gebirge im Türkis und blauschimmernden Meer mit sehenswerten kleinen Fischerorten – sind wohl die schönste Gegend Norwegens und trotz der langen An- und Abreise sind sie eine Reise wert.
    Wir leiden unter Sehnsucht, sie nochmals zu besuchen.

    Antworten
  7. Rudolf K
    Rudolf K says:

    Danke für diese schöne Beschreibung – sie hat bei uns schöne Erinnerungen an 2 Reisen geweckt (1983 4 Wochen mit Wohnmobil in Südnorwegen und Fjordland, 2013 mit Wohnwagen durch Schweden nordwärts, dann hinüber auf die LOFOTEN und zurück über die Küstenstraße R17; lillehammer, Oslo, Göteborg quer durch Deutschland nach Ostösterreich, insgesamt 9.600km in 6 Wochen).
    Schöne Grüße aus Österreich

    Antworten
  8. Klaus-Dieter
    Klaus-Dieter says:

    Wir waren in diesen Jahr das erste Mal am Nordkapp, mit Gespann. Die Hinfahrt verlief wie geplant über Schweden, Finnland und Norwegen. Die Rückfahrt war dann über Norwegen geplant. Leider mussten wir davon Abstand nehmen, da einige Straße wegen der noch winterlichen Verhältnisse gesperrt waren. So sind wir dann den gleichen Wege wie bei der Hinfahrt wieder zurück. Anfang Mai war es doch reichlich früh, die Seen in Finnland und Norwegen waren durchweg noch zugefroren und teilweise sind wir noch mit heftigem Schneetreiben konfrontiert worden. Viele Campingplätze, die wir für unsere Route eingeplant hatten, waren noch geschlossen. Der Vorteil unserer frühen Reise war aber, dass noch kaum Touristen unterwegs waren. Aber auch uns hat die “Fieber” gepackt und wir planen in den nächsten Jahren unsere Norwegen-Tour nachzuholen, dann aber im Sommer.

    Antworten
  9. Axel
    Axel says:

    Danke für den schönen Bericht.
    Wir werden uns Norwegen nächstes Jahr auch ansehen, allerdings mit dem Womo. Bin auch schon auf die Straßen gespannt, von denen man so viel hört. 😉

    Kennst Du eine gute Übersichtskarte im Netz, auf der die kritischen Strecken eingezeichnet sind?

    Viele Grüße,
    Axel

    Antworten
  10. Gunther Krause
    Gunther Krause says:

    Hallo Karen und Stephan,

    schade, dass eure Reise zu Ende ist.

    Alle paar Tage habe ich erwartungsvoll nach neuen Berichten und Fotos gesucht. Mit viel Freude habe ich immer wieder die informativen Texte und Erlebnisse eurer offensichtlich gut vorbereiteten Reise gelesen. Auch die ausgezeichnete Qualität der mit guten Augen gewählten Motive und Fotos hat mich begeistert.

    Wie ich es erwartet habe, ihr werdet wieder nach Norden fahren. Ich selbst warte schon jetzt ungeduldig auf den nächsten Mai. Dann werde ich wie in jedem Jahr dem zweiten Frühling entgegenfahren.

    Jetzt bin ich neugierig, ob noch Bewertungen von Campingplätzen für Familien mit Kindern folgen werden. Welchen Wert haben dann noch Animation und durchnummerierte und vermessene Stellplätze mit Strom-, Wasser- und Abwasseranschluss? Mein Stromkabel ist 50m lang. Etwas Camping muss doch noch sein!

    Danke und viele Grüße

    Gunther

    Antworten
  11. Christian
    Christian says:

    Danke für das Fazit. Bestärkt mich darin mit der Familie auch mal ein solche Tour zu machen. Vielen Dank für die vielen tollen Berichte!

    Antworten

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