Marokko: über das Atlasgebirge nach Südmarokko

Nach guten zwei Tagen in Marrakesch waren wir froh, unser Mietauto in Empfang zu nehmen, um damit in Richtung Süden aufzubrechen. Vor uns lag das Atlasgebirge, das einige Kilometer südlich von Marrakesch beginnt und bis auf über 4000m Höhe reicht. Den Mietwagen hatten wir vorher über Sunnycars reserviert – das spart Zeit, Nerven und Verhandlungen vor Ort. Wir hatten einen ganz normalen Wagen ohne Allrad – der kann sich im Atlas und im Süden durchaus lohnen, wenn man auch auf Offroad-Pisten unterwegs sein will. Der hohe Atlas lockt mit vielen Wanderungen, MTB-Touren, und im Winter sogar Skipisten. Eine Expedition auf den Jbel Toubkal, mit 4167m der höchste Berg Nordafrikas, hätte uns sehr gereizt, allerdings auch drei Tage Zeit benötigt. Und uns zog es irgendwie in den Süden – zurecht, wie sich bald herausstellen sollte.

Über den Atlas: auf dem Tizi n’Tichka Pass nach Telouet

Von Marrakesch haben wir zunächst die Hauptroute über den Hohen Atlas gewählt, die über den Tizi n’Tichka Pass (2260m) in Richtung Ouarzazate führt. Die Landschaft des Atlas ist atemberaubend, die Farben wechseln von grau und braun immer mehr in tausendundeine Rot-Färbung.

Einige Kilometer nach der Passhöhe sind wir dann abgebogen von der Hauptroute, auf ein staubige Schotterpiste, die uns in östlicher Richtung kreuz und quer durch den südlichen Atlas in Richtung der Bergsiedlung Telouet und weiter bis nach Ait Ben Haddou führte. Unterwegs haben wir noch einen Bauern mitgenommen. Wir hatten staubtrockenes Klima, und so waren auch die unbefestigten Strassenabschnitte und kurze Sandpisten kein Problem – bei anderem Wetter ist im Atlas ein geländegängiges Fahrzeug allerdings schnell unumgänglich.

 

Südlich des Atlas: Ait Ben Haddou

Schon aufs der Südseite des Atlas gelegen, noch ca. 50 km vor Ouarzazate, findet sich die kleine Siedlung Ait Ben Haddou, eine der wenigen gut erhaltenen Lehmbausiedlungen in Marokko und seit 30 Jahren schon UNESCO-Weltkulturerbe. Ein Besuch lohnt sich besonders morgens oder abends, wenn die Lehmbauten im rötlichen Licht der tief stehenden Sonne leuchten. Ait Ben Haddou taucht mehrfach in vielen Hollywood-Filmen als Kulisse auf, z.B. In Gladiator, James Bond oder Lawrence von Arabien. Ein kleiner Tipp: vom neuen Teil der Stadt gelangt man entweder über die neue Brücke oder durch das ausgetrocknete Flussbett. Hier sollte man sich ganz rechts orientieren, und nicht mittig in de Ort laufen – dort landet man nämlich gleich im Hof eines Museums, wo einem nur fürs Durchlaufen gleich Geld abgeknöpft wird. Ein Spaziergang durch das alte Dorf bis auf den Hügel hoch lohnt sich ebenso wie ein kurzer Sprung auf den gegenüberliegenden niedrigeren Hügel, von wo man einen schönen Blick auf die alte Siedlung hat.

 

Ouarzazate – das Tor zum Süden

Einen Kamel-Tagesritt weiter südlich (oder eine Stunde mit dem Auto) liegt Ouarzazate, ein idealer Ausgangspunkt für verschiedene Exkursionen im Süden Marokkos. Wir hatten eine „Eco-Lodge“ etwas außerhalb von Ouarzazate gebucht, wo wir sehr freundlich mit marokkanischem Tee empfangen wurden. Abends in der Dämmerung haben wir dort schon einen ersten Eindruck davon bekommen welche unvergleichlichen Farbenspiele der Sonnenuntergang in die weite wüstenartige Landschaft zaubert.

Von Ouarzazate führt die schöne „Straße der Kasbahs“ Richtung Osten entlang der südlichen Ausläufer des Atlas bis nach Tinghir. Unterwegs liegen einige eindrucksvolle Schluchten und Täler, z.B. das Rosental oder die Todhra-Schlucht. Vor allem aber die berühmte Dades-Schlucht, die unbedingt einen Besuch wert ist.

 

Durch die Dades-Schlucht

Etwa zwei Stunden (mit dem Auto) östlich von Ouarzazate liegt Boumalne, von wo aus man nach Norden in die Dades-Schlucht abbiegen kann. Für die Dades-Schlucht sollte man auf jeden Fall einen ganzen Tag einplanen. Man fährt durch das zunächst weite Tal Kilometer um Kilometer hoch. Die Berge schimmern eindrücklich in gelb, orange und rot, während sich auch im Sommer unten im Tal am Fluss noch sattes Grün hält. Irgendwann wird es enger und alpiner, bis man etwa 30 km nach Boumalne an die berühmteste Stelle, die eindrucksvollen Serpentinen kommt. Hier bietet sich eine Teepause auf der Terrasse des Café Timzzillite Chez Mohamed an, mit Blick nach unten auf die Serpentinen. Einige Kilometer weiter gelangt man an einen spektakulären steilen Felsdurchbruch; danach weitet sich das Tal mit jedem Kilometer und geht schließlich in eine mondähnliche Hochebene über. Mit einem Allradfahrzeug und sehr viel Zeit ist es sogar möglich weit über die Hochebene bis in die Todhra-Schlucht zu fahren. Wir sind etwa 70-80 km nach Boumalne umgekehrt, und haben weiter unten in der Schlucht noch eine Wanderung unternommen. Ein kleines Stück unterhalb der Serpentinen kann man beim Hotel Tissadrine parken und den Fluss über ein paar Steine überqueren. Dann gelangt man in eine Seitenschlucht in nordwestlicher Richtung, die sich erst weit öffnet und dann so schmal wird, dass an der engsten Stelle gerade mal ein Felsdurchschlupf von einem Meter Breite bleibt. Je nach Lust und Laune kann man diese Schlucht einige Kilometer hochlaufen, oder sogar eine Rundtour daraus machen. Was auch immer man hier macht: die Dades-Schlucht gehört in jede Marokko-Rundreise!

 

Tinghir und die Todhra-Schlucht

Nochmal eine Stunde weiter östlich von Boumalne kommt man schließlich nach Tinghir, am Fuße der Todhra-Schlucht. Hier haben wir übernachtet, im einfachen, aber sehr empfehlenswerten Hotel Tomboctu in Tinghir. In die Todhra-Schlucht haben wir nur einen kurzen Abstecher unternommen, bevor wir weiter Richtung Süden und in die Wüste gefahren sind. Die Todhra-Schlucht ist ebenfalls sehr schön, aber nicht so eindrucksvoll wie die Dades-Schlucht. Im kurzen steilen Teil der Schlucht sind direkt vom Talboden aus viele Kletterrouten eingerichtet – nächstes Mal bringen wir also die Klettersachen mit.

 

Hier nochmal die Stationen unserer Marokko Rundreise im Überblick

Next up: nach Süden und für eine Nacht in die Wüste von Marokko – ein einmaliges Erlebnis!

2 Kommentare
  1. Sarina
    Sarina says:

    Das sind ja wirklich wunderschöne Impressionen, die ihr da gesammelt habt! Tolle Aufnahmen. Und ja auch eine lange Route, die ihr da hinter euch gebracht habt. Ich würde auch mal wieder sehr gerne eine Rundreise machen und nach Afrika reisen, aber mit Kind traue ich mir das für eine längere Zeit nicht zu. Das Wetter ist für kleine Kinder auf Afrika Safari unter freiem Himmel ja schon nicht ohne. Habt ihr dazu auch einen Erfahrungsbericht? Und gibt es eine Meinung von euch zu dieser Seite? http://www.accept-reisen.de/ Liebe Grüße!

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    • Stefan Spiegel
      Stefan Spiegel says:

      Hallo Sarina,

      Das Wetter bzw. die Temperatur ist ganz von der Jahreszeit abhängig. Im Frühling und Herbst ist es gut zu ertragen bzw. richtig angenehm – das geht auch mit Kindern gut! Und die Wüste ist, gerade auch für Kinder – waaaahnsinnig eindrucksvoll!
      Den Reiseveranstalter kennen wir leider nicht. Wenn man nicht alles selbst planen will, gibt es einige Marokko- bzw. Afrika-Spezialisten die gut helfen können.

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