Mit dem Carado V337 auf Korsika unterwegs

Für den Sommer 2019 hatte ich ein kompaktes Wohnmobil von Carado als Testfahrzeug zur Verfügung, einen schmalen teilintegrierten V337. Aber wohin damit? Aus irgendeinem Grund stand für mich ganz schnell fest: es geht mit dem Wohnmobil nach Korsika!

Der Carado V337 ist ganz neu im Frühjahr 2019 auf den Markt gekommen. Als kompakter Teilintegrierter mit Einzelbetten ist er mit 2,14m Breite bei 6,36m Länge nur minimal größer als ein vergleichbarer Kastenwagen, hat aber viel mehr Platz innen, und ein deutlich angenehmeres Raumgefühl. Hier zahlen die die geraden Aufbauwände aus, die allerdings auch die klassische Wohnmobil-Optik mit sich bringen. Carado steht – genauso wie die Schwestermarke Sunlight – für preisgünstige, praxisgerechte Wohnmobile ohne viel Schnickschnack, und das zu sehr günstigen Preisen. Die Liste der möglichen Sonderausstattungen ist relativ kurz, und beschränkt sich auf das was man wirklich braucht. Geht das Konzept auf? Drei Wochen auf Korsika sollten doch eine Antwort liefern.

Carado V337 auf Korsika

 

Aufbau und Grundriss

Der Grundriss ist klassisch: zwei Einzelbetten hinten, die man zu einem Doppelbett verbinden kann. Darunter ein große, fahrradtaugliche Heckgarage. In der Mitte Küche und Bad, vorne ein Tisch mit Bank und das Fahrerhaus. So weit, so langweilig – gefühlt jedes zweite Wohnmobil ist so aufgebaut. Im Detail zeigen sich dann aber die Unterschiede: die Küche ist recht großzügig und hat links und rechts von Herd und Spüle eine wirklich nutzbare Arbeitsfläche. Der Thetford Kühlschrank hat mit ca. 90 l inkl. Gefrierfach eine gute Größe, und er kühlt auch bei über 30 Grad Außentemperatur sehr effektiv – das kann man leider nicht von allem Camping-Kühlschränken behaupten! Die Stauräume in der Küche sind für jeden Gourmetkoch ausreichend. Eine so gute und praktische Küche macht im Alltag einen riesigen Unterschied. Auf Korsika hat sie sich sehr gut bewährt, es war kein Problem auch mal eben schnell für 10 Personen zu kochen.

Auch das Bad ist groß genug – etwas größer als z.B. in unserem LMC Musica 520 E, der ja immerhin über 8 Meter lang ist. Man kann sich bequem darin aufhalten ohne gleich Platzangst zu bekommen. Die Schwenkdusche ist eine gute Idee um Platz zu sparen und gleichzeitig eine Dusche an Bord zu haben. Ich habe sie nicht genutzt -bzw. nur hin und wieder als Versteck für Laptop und Tablet. Dafür ist sie optimal 😊

Die Betten sind ein kleiner Kompromiss: das eine ist 2m x 70cm, das andere ca. 1,90m x 80cm. Man muss sich also entscheiden: kurz und breit oder lang und schmal. Wer sich nicht einigen kann, der kann immerhin umbauen zur großen Liegewiese. An den Matratzen gibt es nichts auszusetzen: ich habe jedenfalls gut und bequem geschlafen.

Der Aufbau isoliert sehr gut und hält die Hitze auch tagsüber lange draußen – ich konnte mich bei über 30 Grad draußen noch gut innen aufhalten. Die Kältetauglichkeit wird wohl genauso gut sein – das konnte ich leider mangels Kälte nicht testen.

 

Insgesamt muss ich sagen, dass mich die Praxistauglichkeit des Carado V337 sehr beeindruckt hat. Es hat keine Schnörkel und keinen Firlefanz, aber es ist alles da was man braucht. Außerdem ist das Womo wirklich praxisgerecht aufgebaut und hat sich im „harten“ Camper-Alltag absolut bewährt. Ich habe lediglich eine Stelle gefunden an der aus Preisgründen ein merkbarer Kompromiss gemacht wurde: vorne im Fahrerhaus gibt es zur Verdunkelung keine Rollos, sondern Vorhänge. Das ist weiter nicht schlimm, aber hier hätte ich mir für die einfache Handhabung noch ein paar Rollos gewünscht. Das war’s aber auch schon – ansonsten hat mich der V337 wirklich überzeugt.

 

Fahren mit Womo bzw. mit dem V337

An das Fahren mit Womo musste ich mich erst mal gewöhnen, es ist schon anders als mit Auto und Wohnwagen. Das Womo ist lauter als ein normales Auto, fährt sich etwas schwammiger und irgendwo klappert immer irgendwas. Alles nicht schlimm, aber einen Tag „Eingewöhnung“ habe ich schon gebraucht. Bei sommerlichen Temperaturen ist eine Klimaanlage in Fahrerhaus Gold wert, durch die große Frontscheibe heizt sich das Womo sonst recht stark auf.

 

Size matters!

Auf der Autobahn ist es noch relativ egal wie groß das Gefährt ist – da kommt man auch mit einem Reisebus gut zurecht. Auf den engen und vor allem kurvigen korsischen Straßen sieht das anders aus: hier machen sich die kompakten Außenmaße des Carado V337 sehr positiv bemerkbar. Schon die Zufahrt zum ersten Campingplatz La Rondinara ist auf den letzten Kilometern teils abenteuerlich. Für korsische Verhältnisse ist der V337 schon relativ groß. Trotzdem bin ich gut damit zurecht gekommen und konnte auch die kurvigen Strecken an der Westküste bei Porto gut fahren, mit der Calanche zwischen Piani und Porto als Höhepunkt. Gerade dort zahlt sich die Kompaktheit des V337 voll aus – jeder Zentimeter mehr Breite oder Länge bedeutet hier mehr Stress. Nach der Eingewöhnung bin ich ganz entspannt mit dem V337 über die Insel gecruist und war froh um die Flexibilität und Unabhängigkeit, die ein Womo im Vergleich zum Wohnwagen einfach bietet. Nur die ganz kleinen Straßen in den Bergen sind dann doch teilweise zu eng für ein Womo – hier geht es aber auch für normale Auto schon sehr eng zu.

Ein Problem stellen auf Korsika auch die vielen 2m-Schranken dar, die an immer mehr Parkplätzen aufgestellt werden und die verhindern, dass Womos mit ihrer typischen Höhe um die 2,70m den Parkplatz nutzen können. Vor allem entlang der Küste sind die Parkmöglichkeiten dadurch häufig eingeschränkt. Einerseits schade und blöd für Tagesbesucher mit Womo, andererseits auch irgendwo verständlich dass die verfügbaren Parkplätze nicht als Stellplätze verwendet werden sollen. Hier ist man mit einem normalen Auto dann doch im Vorteil.

 

Auf dem Campingplatz

Wer kennt das nicht: auf dem Campingplatz geht der eigentliche Stress erst so richtig los – vor allem in Südeuropa. Enge, verwinkelte Gassen, alles zugeparkt, niedrig hängende Bäume die in den Weg reinragen. Die meisten Kratzer und Schrammen im Fahrzeug holt man sich auf dem Campingplatz. Rondinara ist da keine Ausnahme: es ist eine ganz schöne Kurbelei, bis das Womo auf seinem Platz steht. Höhenunterschiede sind dafür mit Keilen recht leicht auszugleichen – zumindest so grob. Zum Rangieren ist eine Rückfahrkamera absolut hilfreich und wichtig – unser Testmobil hatte keine, und ich habe sie schmerzlich vermisst.

Wenn man erstmal steht, geht dann alles ganz schnell: Strom anschließen, Gas aufdrehen, Tisch & Stühle raus, Sonnenschirm oder Markise raus – fertig. Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zum Wohnwagen: das Wohnmobil ist viel schneller aufgebaut und auch viel schneller abfahrbereit. Kein An- und Abkuppeln, keine Stüzen die rausgefahren werden wollen, kein aufwendiges Nivellieren, der Wassertank ist in der Regel schon voll, Abwassertank ist eh eingebaut. Ich hatte es nicht geglaubt, aber das macht schon viel aus.

 

Wohnen

Der Wohnkomfort im V337 ist – trotz des 15cm schmäleren Aufbaus zu normalen Teilintegrierten – sehr gut. Die gute Isolierung hält auch im Sommer die Hitze effektiv draußen. Schlafen, Kochen, bei Schlechtwetter mal drinnen sitzen – es ist genügend Platz, und man kommt einfach gut zurecht. Im Vergleich zu den kompakteren Mobilen und Bussen spart man sich das ständige Umräumen: alles findet seinen Platz, und da kann es dann auch bleiben.

Der Stauraum im V337 ist wirklich üppig. Und ich muss sagen: die Heckgarage ist wirklich genial. Ich hatte darin: zwei Fahrräder, ein SUP, Tisch, zwei Stühle, Sonnenschirm, Kabeltrommel, Keile, viel Kleinzeug. Und da war noch Luft! Die Höhe ist ideal – hoch genug für Fahrräder, niedrig genug damit die Betten innen noch genügend Luft nach oben zum Sitzen haben. Im Inneren sieht der Stauraum genauso aus: die vielen Schränke rundum bieten Platz für alles was das Herz begehrt. Auch zu zweit wird man Probleme haben den Stauraum wirklich komplett zu füllen. Habe ich schon erwähnt wie genial die Heckgarage ist?

 

Wohnmobil oder Wohnwagen?

So, kommen wir zum interessanten Vergleich: Was spricht für das Wohnmobil, was für den Wohnwagen?

Der Wohnkomfort ist in meinen Augen vergleichbar – hier bietet der Wohnwagen keine entscheidenden Vorteile, was ich eigentlich erwartet hatte. Das hat mich etwas überrascht: der Carado V337 ist wirklich sehr wohnlich. Man kann es auch längere Zeit sehr gut darin aushalten – er ist bei dast identischen Abmessungen deutlich wohnlicher als ein Kastenwagen, sehr ähnlich zu einem breiten Teilintegrierten. Das ist aber natürlich eine subjektive Wahrnehmung.

Bei der Mobilität vor Ort gibt es Unterschiede: an einem bestimmten Ort angekommen, ist man mit Wohnwagen deutlich mobiler. Mal eben schnell einkaufen zum 10 km entfernten Supermarkt? Spontan zum Superstrand, der eine Stunde entfernt liegt oder durch eine 2m-Schranke für Womos gesperrt ist? Mit Gespann kein Problem, da vor Ort das Auto zur Verfügung steht. Mit Womo wird es etwas umständlicher, sobald die Distanz nicht mehr fahrradtauglich ist (und das ist sie auf Korsika ganz schnell nicht mehr).

Um von Ort zu Ort zu fahren und eine Region in mehreren Etappen zu erkunden ist das Womo dagegen ganz deutlich in Vorteil. Es ist viel schneller abfahrbereit, wesentlich kürzer (wichtig in engen Kurven und zum Rangieren) und man ist immer autark – ein Wohnwagen muss dafür besonders ausgerüstet werden, und das Womo ist nach meinem Gefühl auch dann noch besser für freies Stehen geeignet da es von Haus aus auf Autarkie ausgelegt ist.

Mein persönliches Fazit: der Trip nach Korsika mit dem Carado V337 war ein tolles, ja unvergessliches Erlebnis, das ich in dieser Form mit Wohnwagen ziemlich sicher nicht gemacht hätte – die Straßen bei Porto an der Westküste sind schon sehr kurvig und schmal. Hier hat der kompakte V337 seine Vorzüge voll ausspielen können! Insofern hat sich der „Ausflug“ in die Womo-Welt absolut gelohnt. Dennoch werden wir der Wohnwagen-Welt wohl (erstmal!) treu bleiben und sehen was die nächsten Jahre noch so bringen …

 

Hier noch mein – sehr persönlicher – Reisebericht über den Sommer 2019 auf Korsika!

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