Ah, Korsika! Liebeserklärung an eine traumhafte Insel.

Für den Sommer 2019 hatte ich eigentlich nicht viel geplant. Dann ergab sich kurzfristig ein Wohnmobil als Testfahrzeug, ein schmaler teilintegrierter Carado V337. Doch wohin damit? Irgendwie stand schnell fest: es geht zum Camping nach Korsika! Vor fünf Jahren waren wir mit Zelt im Südosten der Insel in der Rondinara-Bucht – der Auslöser für unsere Wohnwagen-„Karriere“. Da die Korsika-Planung dieses Jahr recht spontan war und alle Familienmitglieder schon andere Pläne hatten, war ich am Ende alleine unterwegs – mal was ganz Neues.

Dieses Mal also mit Wohnmobil statt Wohnwagen. Der Plan war, zwei Wochen unterwegs zu sein und die Insel in 5-6 Etappen zu erkunden. Tja, soweit der Plan. Es kam dann irgendwie alles ganz anders. Doch der Reihe nach. Unsere Erfahrungen mit dem Carado V337 auf Korsika findet ihr in einem eigenen Bericht. Ein dritter Teil fasst dann ein paar Korsika-Reisetipps für Camper (und sogar für Nicht-Camper!) zusammen.

 

Anreise und Fähre

Die Anreise über den Brenner und durch Italien bis nach Piombino war vor allem stressig – viel Verkehr und die Zeit im Nacken: die Fähre legte abends um 22:00 Uhr ab. Die Nachtfähre ist theoretisch eine gute Idee: man verliert keine Zeit tagsüber und kann nachts auf der Fähre schlafen. Theoretisch. Praktisch geht das nur, wenn man für die Nacht eine Kabine gebucht hat. Die Schlafsessel kann man sich sparen, mit Schlafen ist da nix. Alternative für Frischluftfans: mit Schlafsack und Isomatte oben aufs Deck legen und schon mal die erste Nacht unter freiem Sternenhimmel genießen. Spätestens um 6:00 Uhr ist die Nacht eh vorbei – Zeit für einen Kaffee (oder zwei). Die Anfahrt auf Bastia in der Morgendämmerung sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Ich bin gegen 7:00 Uhr in Bastia auf die Insel gerollt – ziemlich gerädert von der Anreise, aber endlich da!

 

Erste Station: La Rondinara

Meine erste Anlaufstelle war wieder La Rondinara im Südwesten – ein bekannter Ort zum Ankommen und Runterkommen. Zwei Tage lang Stand Up Paddeln auf dem Meer, Schnorcheln und den Alltag hinter sich lassen. Der Platz war sehr voll und wuselig, aber die tolle Bucht von Rondinara macht das alles wieder wett. Am dritten Tag hatte ich das Gefühl dass es weitergehen konnte. Also schnell das Womo startklar machen, raus auf die Straße nach Bonifacio, und weiter Richtung Sartene.

 

Zweite Station: Golf von Valinco

Mein Ziel war der Golf von Valinco, der südlichste der vier großen Golfe an der Westküste. Dort hatte ich mir Camping L’Esplanade bei Propriano als zweite Station ausgesucht. Sah im Internet gut aus. Tja. Dort angekommen, war nur noch ein einziger, miserabler Stellplatz frei – genau in einer großen Straßenschleife gelegen, gegenüber der Müllcontainer. Ich habe dankend abgelehnt und bin weitergefahren – auf gut Glück zum nächsten Platz. Camping Chez Antoine, unten am Meer gelegen, zu erreichen über eine steile und schmale Zufahrt. Dort habe ich nach kurzer Diskussion für maximal drei Nächte einen schönen, schattigen Platz direkt zum Meer bekommen – ein Traum. Länger als zwei Tage wollte ich eh nicht bleiben. Camping Chez Antoine ist ein naturbelassener Platz mit lose verteilten Stellplätzen zwischen vielen schattenspendenden Bäumen, nur durch ein paar Sträucher vom Strand und Meer getrennt. Dafür hat er keinerlei Komfort: einfache Sanitäranlagen, keinen Pool, keine Animation, kein WLAN, kein Restaurant, keine Strandbar, keine Strandliegen, nicht mal einen Shop am Platz. So ein bisschen Ende-der Welt-Feeling. Mit anderen Worten: eigentlich ein Traum. Mit Familie oder Freunden ein Platz an dem man wochenlang bleiben könnte … aber alleine? Zwei Tage, dann wollte ich weiter. Das war der Plan.

 

Am ersten Abend habe ich dann am Strand supernette Leute aus München kennengelernt und noch lange mit ihnen gequatscht. Am nächsten Tag waren wir morgens joggen, tagsüber an der Küste wandern und am Meer chillen, und haben abends zusammen am Strand gegessen und den Sonnenuntergang angeschaut. Es war so schön, dass ich spontan beschlossen habe noch einen Tag länger da zu bleiben. Und dann noch einen. Und noch einen. Nach drei Tagen wusste ich nicht mehr warum ich eigentlich weiter wollte. Es waren wunderschöne Tage: morgens eine Runde Laufen, dann im Meer schwimmen, in der Sonne im Sand trocknen. Tagsüber Wanderungen, Bootsausflüge oder Touren mit den Stand Up Boards mit den Kindern, abends gemeinsam kochen, bei Sonnenuntergang am Strand essen, Gitarre spielen und singen, irgendwann dann Sterne beobachten und Sternschnuppen zählen. Irgendwie war jeder Tag schöner als der andere. Nachts hörte man bei offenem Fenster im Womo nur das sanfte Rauschen der Wellen.

An einigen Abenden sind wir unter dem mondlosen, funkelnden Sternenhimmel mit den Stand Up Boards weit aufs spiegelglatte, schwarze Meer rausgepaddelt. Es war stockfinster, so dunkel dass man den Horizont fast nicht erkennen konnte – alles schwarz um einen herum, während man über das Wasser gleitet. Ein unfassbares Gefühl, wie wenn man völlig ins Universum eingetaucht ist!

 

 

Dritte Station: die Calanche und der Golf von Porto

Nach einer Woche habe ich mich dann doch schweren Herzens losgerissen, um in meinen letzten drei Tagen auf der Insel noch etwas mehr von der wilden Westküste zu sehen. Die nächste Etappe führte über Ajaccio die Küste hoch nach Porto. Die ganze Gegend um Porto ist spektakulär: roter Fels, der schroff ins tiefblaue Meer abstürzt, unterbrochen von malerischen, schwer zugänglichen Buchten. Die letzten Kilometer hinunter in die tief eingeschnittene Bucht von Porto geht es vom 450m hoch gelegenen Piani durch die berühmten Felsen der Calanche. Die Calanche ist wahrscheinlich der bekannteste Straßenabschnitt Korsikas – und das absolut zu Recht. Die schmale Straße windet sich mitten durch die rötlich leuchtenden Felsen, an den Seiten geht es steil nach oben bzw. nach unten. Mit dem Womo ist die Strecke nicht ganz einfach zu fahren, mit einem Gespann wäre es sicher noch viel stressiger. Ich war heilfroh um die kompakten Abmessungen des Carado V337 und bin häufig in den kleinen Parkbuchten stehen geblieben um auszusteigen und die Landschaft zu genießen.

 

Bei Porto habe ich auf eine Empfehlung hin Camping Funtana a l’Ora angesteuert – ein schöner und komfortabler Platz ein paar Kilometer oberhalb von Porto mit WLAN, Restaurant, Pool, Shop und Animation und so weiter – und habe sofort die Einfachheit und das schöne Ende-der-Welt-Gefühl von Chez Antoine vermisst. Daran konnten auch der tolle Sonnenuntergang am Strand von Porto und das irrsinnig gute französische Essen im Hafen von Porto nichts ändern. Aber es waren einfach nur noch zwei Tage bis zur Abreise. Unten in Porto gibt es übrigens noch den einfachen Camping Municipal, von der Lage her auf jeden Fall mehr zu empfehlen als Funtana a l’Ora.

 

Weiter nach Calvi und Ile Rousse

Schon am nächsten Tag ging es weiter die Westküste hoch, Richtung Calvi. Auch hier ist die Straße erstmal kurvig, schmal und spektakulär. Etwa eine Stunde nördlich von Porto habe ich noch eine anstrengende, aber wunderschöne Küstenwanderung mitgenommen von der Passhöhe Bocca a Croce hinunter nach Girolata – ein kleiner Ort am Meer, der nur zu Fuß oder per Boot zu erreichen ist. Vor allem wird er von vielen touristischen Ausflugsbooten aus Porto erreicht – der Ort ist tagsüber völlig überlaufen. Die Wanderung ist dennoch sehr empfehlenswert, wenn auch in der Hitze sehr anstrengend. Besser früh oder am Nachmittag machen. Weiter nördlich weiteten sich die Kurven etwas und die Straße war breiter und komfortabler zu fahren.

 

Abends in Calvi breitete sich etwas Frust bei mir aus – warum musste dieser tolle Urlaub jetzt schon zu Ende sein? Das kann doch nicht sein. Am nächsten Morgen, dem Abreisetag, habe ich dann erstmal zwei Stunden lang telefoniert: Termine verschoben, Fähre umgebucht, Wohnmobil verlängert. Dann stand fest dass ich den Urlaub um eine Woche verlängern konnte. Ich bin auf direktem Weg (in dem Fall durchs Landesinnere, über Corte) nach Propriano gefahren, zu Chez Antoine. Ohne die innere Unruhe, noch etwas sehen zu wollen, war diese zusätzliche Woche noch erholsamer als die ersten Tage dort. Es war einfach eine tolle Zeit! Der Abschied war dann am Ende auch versöhnlich, uns ich bin sehr happy nach Hause gefahren: um vier Uhr früh Abfahrt nach Bastia, um 8:30 h mit der Fähre nach Savona, auf direktem Weg durch die Schweiz, abends Zwischenstopp am Bodensee. Nach genau drei Wochen war ich mit vielen tollen Erinnerungen und kiloweise korsischem Käse wieder zuhause angekommen.

 

Wie geht es weiter?

Leider ist nicht ganz klar was mit dem Campingplatz passiert und ob es ihn in dieser Form nächstes Jahr noch gibt. Ein Besitzerwechsel ist sehr wahrscheinlich, und wer weiß was dann passiert und ob der Platz so erhalten bleibt. Es wäre ein Jammer um diesen schönen Flecken Erde, dieses kleine Ende der Welt.

 

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