Eindrücke vom Caravan Salon 2018: zurück in die Zukunft!

Dieses Jahr blieb uns leider nur ein einziger Tag für den Caravan Salon Düsseldorf 2018, der seit Samstag seine Tore für die Besucher geöffnet hat. Hier wie jedes Jahr meine persönlichen und total subjektiven Eindrücke!

Ah, endlich wieder Caravan Salon! Die ganze Branche fiebert diesem Termin entgegen. Und es wird eine Messe der Superlative werden. Was mich jedes Mal aufs Neue fasziniert, ist der Verkaufscharakter dieser Messe: da warten Heerscharen von Verkäufern – bei den großen Herstellern sind das auch schon mal 50-100 (!) Verkäufer – auf die Heerscharen von Kunden. Und sie kommen. Und sie kaufen. Am Ende werden Rekordumsätze gemacht sein, die Hersteller und ihre Händler werden zufrieden und glücklich sein mit den Rekord-gefüllten Auftragsbüchern. Da wette ich einen, sagen wir mal, Pössl Summit 640 drauf! Also, einen aus dem 3D-Drucker am Pössl-Stand in Halle 12. Der Branche geht es gut – vielleicht zu gut, um wirklich deutliche Innovationssprünge zu machen, jenseits der üblichen Sondermodelle die bei allen Herstellern einen erheblichen Absatz-Anteil ausmachen. Ein paar Highlights lohnen dennoch einen genaueren Blick – hier eine kleine Auswahl.

Die unübersehbaren Trends der Caravan-Branche sind:

  • Alternative Antriebe: noch ganz dünn gesät
  • Vernetzung: hält langsam überall Einzug
  • Campervans / Kastenwagen: auf der Überholspur
  • Kompakt = beliebt: auch bei den Wohnwagen
  • Digitalisierung in der Campingbranche: … und sie bewegt sich doch

 

Zukunftsweisend I: Dethleffs e.home Coco – Caravan mit eigenem Elektro-Antrieb

Die Idee gab es schon mal als Hochschul-Forschungsprojekt, und hat jetzt den Weg in den Prototypen eines großen Herstellers gefunden: ein elektrischer Antrieb im Caravan, der den Zugwagen entlastet, indem er das eigene Gewicht des Anhängers mit antreibt. Der e.home Coco ist mit zwei Elektromotoren, dicken Batterien und intelligenter Steuerung ausgerüstet, die den Antrieb so genau steerun kann dass die Anhängelast auf einem vordefinierten Wert konstant gehalten wird. So können in Zukunft theoretisch auch schwere Anhänger von Autos mit geringer Zuglast gezogen werden. Zum Beispiel von Elektromobilen. Eine tolle und zukunftsweisende Idee, die momentan noch an zulassungsrechtlichen Hürden scheitert. Es ist sehr zu hoffen dass Dethleffs die Ausdauer hat diese Studie zur Marktreife zu bringen und die zulassungstechnischen Hürden zu nehmen – ein marktreifer Wohnwagen mit elektrischem Zusatzantrieb, das wäre wirklich eine Innovation die die Branche beim Übergang ins elektrische Zeitalter voranbringt!

Der „normale“ Coco, den Dethleffs letztes Jahr als Leichtbau-Studie vorgestellt hat, kann dieses Jahr übrigens gekauft werden.

www.dethleffs.de/pressebereich/bilder-caravans-2019/ehome-coco/

 

Zukunftsweisend II: Mercedes Brennstoffzellen-Studie

Auch Mercedes stellt zwei ganz interessante Studien vor: einen vernetzten und fernsteuerbaren V-Klasse Ausbau, und – noch interessanter und zukunftsweisender – einen brennstoffzellengetriebenen Sprinter-Aufbau. Inklusive automotiver Spielereien wie ein Datendisplay, das mittels Augmented Reality in der Brille und auf einem großen Bildschirm die Antriebskomponenten der Brennstoffzelle einblendet. Auch hier ist zu hoffen dass solche alternativen Antriebskonzepte nicht nur nette Messe-Gags bleiben, sondern den Weg in die Serienfertigung finden!

media.daimler.com/marsMediaSite/de/instance/ko/eDriveaVANs-next-level-Mercedes-Benz-Vans-praesentiert-Sprinter-mit-Elektroantrieb-und-Brennstoffzelle.xhtml

 

Kastenwagen rules the industry: VW Grand California – ein Bulli Crafter“

Oder Crafter Bulli. Also eigentlich Grand California Crafter. Egal. Auf jeden Fall stellt VW einen ausgebauten Crafter vor und hat ihn California Crafter getauft. Wohin die Reise geht ist klar: VW will ein Stück vom boomenden Segment der Kastenwagen (neudeutsch: Vans) abhaben. Der Innenausbau ähnelt ganz stark der im letzten Jahr vorgestellten Bulli-Studie: hellgraue, fast weiße gerundete Schränke mit umlaufender breiter gelber Lichtleiste, moderne Technik und Spaceship-Feeling. Hoher Kultfaktor. Aber: immer noch etwas weniger Innenraum als bei den üblichen Fiat / Citroen Kastenwagen. Und: wohnlich geht auch anders. Trotzdem: der Bulli Crafter markiert VWs Anspruch im Kastenwagen-Segment ein Wörtchen mitzureden – und er wird definitiv seine Kunden finden.

www.volkswagen-nutzfahrzeuge.de/de/modelle/grand-california.html

 

Boom Boom: Weinsberg CUV Studien

Weinsberg stellt zwei CUV Studien vor – CUV ist neudeutsch für Kastenwagen. Auffällig ist dabei der CUVolution, ein Kastenwagen im Hiphop-Style: orange metallic, mit fetten Alufegen, vielen Verkleidungen und – Achtung – Spoiler auf dem Dach. Man kann förmlich den wummernden Bass aus dem Inneren hören und spüren, wenn man sich vorstellt mit diesem – äh – Auto auf den Campingplatz zu rollen. Hoher Prollfaktor garantiert. Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie ist das für mich der Manta unter den Kastenwagen. Aber: jeder nach seinem Geschmack – schaut es Euch am besten selbst an.

www.weinsberg.com

 

Digitalisierung: ADAC Pincamp

So langsam kommt auch endlich Bewegung in den Markt der digitalen Campingplatz-Buchungsportale. Während Maxcamping letztes Jahr das etwas in die Jahre gekommene, aber immer noch führende Portal camping.info übernommen hat und der Dolde Medien Verlag mit Campanio eine eigene Buchungsplattform gelauncht hat, geht der ADAC dieses Jahr mit einem völligen Neustart ins Rennen und launcht ADAC Pincamp. Als zumindest bald. Bis jetzt ist nur ein Teaser zu sehen, aber hinter dem Portal steht eine große Entwicklungsmannschaft in Berlin – der ADAC meint es jetzt ernst mit der digitalen Zukunft. Das ist gut, denn Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir sind gespannt was die nächsten Monate im Markt der Campingplatz-Buchungsportale bringen werden!

www.pincamp.de

 

Wohnwagen im Mini-Format: Kulba

Ein Hingucker ist der Kulba Teardrop allemal: ein günstiger und sehr kompakter Einsteiger-Wohnwagen aus Lettland. Ab 5.100 € geht es los – für Alleinreisende eine schnuckelige und preiswerte Alternative zum Zelt!

kulba.lv/de

 

Wohnwagen ohne Ende: LMC

Auch auf dem LMC-Stand haben wir uns natürlich ausgiebig umgeschaut und einiges Interessantes unter den 26 neuen Wohnwagen entdeckt. Neben den immer wieder beeindruckenden Hubdach-Wohnwagen, die im Prinzip aus jedem Modell einen 100% tauglichen Familien-Wohnwagen machen, hat uns dieses Jahr der LMC Style 530 besonders gut gefallen: ein Einzelbetten-Grundriss ohne Schnörkel, der die Sitzgruppe im Bug beherbergt und eine schöne, große und LMC-typisch hochwertige Küche beherbergt. Da wären wir am liebsten gleich eingestiegen und hätten eine Runde Probe-Camping gemacht. Die Baureihe Musica (aus der auch „unser“ Musica 520 E ist) gibt es dieses Jahr als Sondermodelle mit Komplettausstattung. Zu den LMC-spezifischen Vorteilen wie der Long Life Technology und dem iBus Connect System gibt es eine „Wissensinsel“, wo die Technologien haptisch gezeigt und erklärt werden.

www.lmc-caravan.de

 

Luxus pur: Volkner Performance S

Ja, und dann wäre da noch das Sondermodell von Volkner. Es hört auf den harmlosen Namen Performance S, ist aber das teuerste auf dem CSD ausgestellte Wohnmobil – gut 1,4 Millionen kostet es so wie es dort steht. Euro, nicht türkische Lira. Eine kurze Nachfrage bei unserer Bank hat ergeben dass der Dispo das gerade nicht hergibt (haben wir irgendwo Lachen im Hintergrund gehört?), deswegen haben wir uns den Weg in die Luxus-Halle erspart und können Euch leider auch kein aktuelles Foto liefern. Aber wer weiß: vielleicht gibt es ja den Mercedes SLG in der Mittelgarage als Messeaktion gratis mit dazu?

www.volkner-mobil.com/vmperformance

 

Retro rules: Citroën Jumper Type H Wildcamp

Citroën präsentiert eine clevere Retro-Variante des Jumpers, das „Brot und Butter“ Kastenwagen-Modell des französischen Herstellers. Dieser wird von einem italienischen Ausbauer verkleidet und ist dann ab knapp 64.000 € zu haben. Eine pfiffige Idee, und definitiv ein Hingucker.

Citroën Wildcamp

Wenn ich mir jetzt auf einem Campingplatz den Weinsberg CUVolution (Boom Boom) und den Citroën Wildcamp nebeneinander vorstelle … hihi.

 

Caravan Salon 2018: Fazit

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Messe für jeden etwas zu bieten hat. Und so wird sie sicher die eingangs erwähnten Rekorde schreiben und der erfolgreichste Caravan Salon ever werden. Bleibt nur zu hoffen dass die Campingplätze den Massen an Neu-Campern mit all ihren schicken neuen Fahrzeugen genügend Kapazitäten und moderne Buchungsmöglichkeiten bieten können…

 

P.S.: Wer noch auf der Messe ist und Hunger auf Popcorn hat, der sollte beim kleinen ADAC Pincamp Stand in Halle 9 vorbeischauen – da gibt es Popcorn für umme. Aber schnell sein: es gibt „nur“ 6000 Portionen. Ich bin sicher, auch die werden rekordverdächtig schnell weg sein.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.