Caravan Salon Düsseldorf 2019: viel Kompaktes, ein bischen Nachhaltigkeit

 

Der diesjährige Caravan Salon Düsseldorf läuft, und eines ist sicher: es wird der größte, beste und erfolgreichste CSD ever werden. Die Hersteller stellen aus was die Produktion hergibt, 2.100 Fahrzeuge auf 214.000 qm in 14 Hallen, dazu Zubehör, Aus- und Einbauten ohne Ende. Und nächstes Jahr kommt noch die komplett neue Riesenhalle 1 dazu – man darf gespannt sein. Die berechtigte Frage aber ist: wie viel substantiell Neues hat die Messe dieses Jahr wirklich zu bieten? Eine kleine, ganz subjektive Auswahl unserer Messehighlights.

Kompakt-Camper

Es war unübersehbar: überall auf der ganzen Messe stehen sehr kompakte Camper, die gleichzeitig als Alltagsfahrzeuge und als Freizeitmobil taugen. Der prominenteste Vertreter dieser Gattung ist der Pössl Campster, der seit diesem Jahr Konkurrenz durch den neuen Crosscamp bekommt. Pössl antwortet darauf mit dem Vanster, einem stark reduzierten Mobil zum absoluten Kampfpreis der günstiger als das Basis-Serienmodell ist. Aber auch andere Hersteller sind mit Kompakt-Modellen am Start: traditionell stark ist hier zum Beispiel Westfalia mit gleich mehreren interessanten Ausbauten auf unterschiedlichen Basisfahrzeugen. Wer auf kleinem Raum klarkommt und auf ein Bad / eine Toilette verzichten kann, für den sind die neuen Kompakten eine überlegenswerte Alternative zum „normalen“ Auto. Der James Cook von Westfalia vergrößert den Innenraum durch ein stylisches Slideout statt ein Hubdach.

 

 

Kompakt-Wohnwagen

Ja, auch die Wohnwagen erleben in der Kompaktklasse eine Renaissance. In diesem Jahr haben wir uns mal ganz gezielt nach dem Angebot in der Kompaktcaravan-Klasse umgesehen, und nochmal festgestellt wie riesig das Angebot hier inzwischen ist.

Absoluter Klassiker und quasi der Urvater der Kompaktcaravans ist der Eriba Touring. Und er ist immer noch „der“ Verkaufsschlager im Eriba-Programm, trotz, sehr sagen wir mal, selbstbewussten Preisen. Auf der Messe gab es etwa zehn verschiedene Tourings zu bewundern – wir haben kein anderes Modell mit so vielen ausgestellten Fahrzeugen gefunden. Das Äußere ist unangefochten stylisch, und mit den kompakten Maßen und dem Hubdach ist der Touring ein nahezu perfekter Reise-Wohnwagen als Alternative zum Wohnmobil. Den fließenden Übergang vom Touring zum klassischen Wohnwagen stellt der Eriba Feeling dar – geringe Breite und Höhe, Hubdach oder Aufstelldach und deutlich mehr Platz im Innenraum bei besserer Isolierung sind gute Argumente. Sie sprechen halt eher die Vernunft an, während der Touring klarer Sieger der Herzen ist. Uns hat der Feeling trotzdem besser gefallen – irgendwie wohnlicher, praktischer. Wer weiß, vielleicht können wir ja nächstes Jahr mal einen Feeling auf seine Praxistauglichkeit testen?

Ein direkter Feeling-Konkurrent, aber noch kompakter ist der Hubdach-Caravan Silver Evasion: mit 2m Breite und 2m Höhe (!) passt der Evasion sogar in handelsübliche Garagen. Das Hubdach wird mit klappbaren Seitenwänden auf Stehhöhe gebracht, was eine sehr gute Isolierung und Geräuschdämmung bedeutet. Nur das Innere ist nicht ganz so wohnlich und gemütlich wie beim Feeling, die Preise sind ähnlich (hoch), jenseits der 20.000,- €. Auf jeden Fall eine Betrachtung wert!
Als weiterer Hubdach-Vertreter ist noch der Mini Freestye am Start, der mit verschiedenen Grundrissen und Größen zu vergleichsweise günstigen Preisen ab ca. 14.200,- € zu haben ist.

 

 

Neu in diesem Jahr ist der klassische, aber dennoch kleine, leichte und vor allem günstige LMC Sassino 460E, den es auch als Dethleffs cJoy 460LE und als Bürstner Premio Life 480 TL zu kaufen gibt. Er bietet Einzelbetten auf 6,8 x 2,12 m Größe und ein schnörkelloses Inneres zu Preisen ab 13.000,- €, allerdings mit einem konventionellen Aufbau (nicht holzfrei). Wer einen günstigen Kompakten mit Einzelbetten sucht, sollte ihn sich auf jeden Fall anschauen, zumal es ihn in den drei innenarchitektonischen Geschmacksrichtungen LMC, Bürstner und Dethleffs gibt – die sich auch im Grundpreis leicht unterscheiden.

Und dann sind da noch die „gängigen“ Kompakt-Caravans wie etwa der T@b mit seiner markanten Teardrop-Form, der Adria Action (z.B. als 391PH), der mit cleveren Details aufwartet wie z.B. ein variables Bett Innenraum. Andere Konzepte, z.B. von LMC im neuen Sassino 470 K, haben einen unter dem hochgelegten Bett versenkbaren Tisch, was enorm viel Platz schafft. Warum machen das nicht mehr Hersteller? Im Sommer spielt sich das Leben draußen ab, den Tisch innen brauchen man höchstens mal als Abstellfläche. Nur bei Regen und Kälte wird er zeitweise wichtig – da ist eine platzsparende Auszieh-Lösung eigentlich ideal! Das Mini-Tischchen vorne im Eriba Touring 542 kann man wenigstens aushängen und außen am Wowa wieder einhängen – immerhin.

Geht es noch leichter? Aber klar! Bitteschön: die neuen Konzepte Dethleffs Coco und Knaus Travelino sind schon seit letztem bzw. vorletztem Jahr auf den Messen zu sehen, jetzt gibt es sie als Serienmodelle zu kaufen. Mit Leergewichten ab 700 kg und vielen tollen Detaillösungen. Uns hat der Coco noch etwas besser gefallen als der Travelino, aber das ist Geschmackssache. Leider gibt es drei dicke Wermutstropfen bei beiden:

  1. Keine festen Betten bedeuten eingeschränkten Schlafkomfort. Wer – wie die allermeisten Camper – zu 80% im Sommer unterwegs ist und eine Markise oder Vorzelt dabei hat, für den wären feste Betten und ein Ausziehtisch (siebe oben) viel praktischer.
  2. Es gibt (noch) keine Auswahl an verschiedenen Grundrissen, ein klares Zeichen dass die beiden Modelle zwar zukunftsweisend, aber aktuell noch Exoten sind.
  3. Die Preise bewegen sich deutlich jenseits der 20.000,- € – eindeutig zu viel für den Massenmarkt. Hoffentlich tut sich da noch etwas!

 

 

Ich schätze die Marktrelevanz der kompakten Caravans übrigens 100 mal höher ein als die von den großen Messe-Showcars wie der super-luxuriöse Tabbert Cellini, der pompöse Adria Astella oder der stylische Eriba Touring 820, über die vielerorts als Messehighlights berichtet wird. Das sind tolle Hingucker, die man sich auf der Messe gerne einmal anschaut und sie bewundert, aber kaufen? Hm. Dann doch lieber ganz klassisch ein schicker Airstream, oder?

Nachhaltigkeit

Ja, das ist so ein Thema. Wichtig und so. Andererseits auch eher lästig, hat man das Gefühl – zumindest stellen sich die wenigsten Hersteller dem Thema offensiv. Vorbildlich ist hier Dethleffs, die mit dem e.home Coco ein Konzept für einen Wohnwagen mit elektrischem Unterstützungsantrieb zeigen. Außerdem bei Dethleffs: der Globevan E-Hybrid, das erste serientaugliche Wohnmobil mit Hybrid-Antrieb. Bäm. Der kompakte Van auf Ford Transit-Basis hat einen 3-Zylinder-Benziner plus Elektroantrieb, der allein für 50 Kilometer Reichweiter gut ist. Der Akku lässt sich an jeder Steckdose in 5,5 Stunden aufladen, oder in gut der Hälfte an einer Schnellladesäule. Der Globevan E-Hybrid ist ab dem Frühjahr 2020 für 75.000,- € zu haben. Da kostet der rein elektrisch getriebene WOF Iridium auf Fiat Ducato-Basis mit 160.000,- € gut doppelt so viel. Die Reichweite liegt bei ca. 400 km, zum Aufladen muss der Iridium für rund 4 Stunden an die Ladesäule.

 

 

Die anderen Hersteller begnügen sich größtenteils damit anzukündigen dass ihre Mobile jetzt oder demnächst der neuesten Abgasnorm Euro 6d temp entsprechen. Na ja, die ist ja auch Pflicht für alle Neuzulassungen ab dem 1.9.2019. Und: sie wird sicher zum 31.12.2020 auslaufen, danach können nur noch Mobile mit Euro 6d neu zugelassen werden. Ein Hoffnungsschimmer für die Branche ist Alko, das elektrische Unterstützungsantriebe sowohl für Wohnmobile als auch für Wohnwagen vorgestellt hat: die „Next Generation Trailer Plattform“ für Caravans hat ähnliche Funktionen wie der e.home Coco; die primäre Funktion ist eine Reichweitenverlängerung, vor allem für Elektromobile als Zugfahrzeuge. Das Hybrid Power Chassis setzt das gleiche System als unterstützenden Hybridantrieb für die Hinterachse von Wohnmobilen ein. Damit kann ein Wohnmobil wahlweise bis zu 100 km rein elektrisch fahren, mit parallelem Hybridantrieb Kraftstoff einsparen oder einen kurzfristigen 4×4-Antrieb zuschalten, für unwegsames Gelände. Ein spannendes Konzept das sicher viel Potential birgt – wir sind gespant welche konkreten Fahrzeuge als erstes auf dieser Basis auf den Markt kommen!

Und sonst?

Gab es auf der Messe natürlich viele spannende und kuriose Modelle und Studien zu bestaunen, etwa das Carado Showmobil mit Dreckschleuse hinten oder das Hymer Vision Venture 2020 Showcar mir vielen pfiffigen und auch einigen abgedrehten Ideen – näher beschrieben hier z.B. bei Promobil. Wer zu den restlichen Messehighlights mehr Infos sucht, dem seien die umfangreichen Berichterstattungen meiner lieben Bloggerkollegen von Camperstyle, Isaswomo oder Sheisontheroadagain empfohlen!

 

 

Das hier ist, wie immer, unsere vollkommen subjektive Sicht auf die Dinge. Man kann, wie die Juristen so schön sagen, immer auch zu einem anderen Ergebnis kommen. Insofern freuen wir uns über Eure Meinungen!

2 Kommentare
  1. Verena
    Verena sagte:

    Hallo Stefan, kannst du uns ein explizit wintertaugliches Modell empfehlen? Wurde sowas vorgestellt?
    Ich nehme deine (subjektive) Meinung sehr gerne an.

    Danke für die ausführliche Beschreibung! Das macht Lust auf Reise und mehr.
    Schöne Grüße, Verena

    Antworten
    • Stefan Spiegel
      Stefan Spiegel sagte:

      Hallo Verena, nach explizit wintertauglichen Modellen habe ich nicht geschaut. Aber: die Modelle mit einer guten Basis-Isolierung eignen sich eigentlich größtenteils. Ich würde da keinen Hubdach-Wagen mit Zeltstoff nehmen. Von den Kompakten sehe ich am ehesten Silver mit der XPS-Isolierung. Aber gerade im Winter schätzt man mehr Platz und durchgehende Stehhöhe! Da würde ich persönlich mit z.B. bei Eriba (Nova, mit PUAL-Isolierung) oder Adria (Alpina) umsehen. Aber auch die meisten anderen wie LMC oder Fendt sind mit entsprechender Heizung, Teppich und DuoControl gut winterfest zu machen. Oder, wenn Geld keine Rolle spielt, gleich ein Kabe 🙂

      Antworten

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