CMT 2017: Blick in die digitale Zukunft des Campings

Die CMT 2017 (#cmt17) öffnete am 14.1. bei echtem Januar-Schmuddelwetter auf der Messe Stuttgart ihre Tore. Der Besucheransturm war gleich sehr groß – über 70.000 Besucher waren am ersten Wochenende da, 5.000 mehr als letztes Jahr. Das Interesse am Caravaning ist ungebrochen groß – die Wohnwagen-Neuzulassungen stiegen im letzten Jahr laut CIVD um 5%, die von Reisemobilen sogar um 25%, der Gesamtumsatz der deutschen Branche stieg um 15,4% auf 8,74 Milliarden Euro. Und die CMT ermöglichte uns einen kleinen, interessanten Blick in die digitale Zukunft des Campings.

Digitalisierung und Vernetzung

Neben vielen neuen und aufpolierten Modellen, Sondermodellen und Fahrzeugvarianten ist die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der Fahrzeuge ein unübersehbarer Trend, der auch die Caravaning-Branche erfasst. Sei es die iNet-Steuerung von LMC und Truma, die Hymer Smart Control Steuerung oder das Hobby BUS-System – die digitale Kontrolle aller Bordkomponenten von der Heizung über die Klimaanlage bis hin zur Batterie und den Wassertanks wird in ein bis zwei Jahren der Standard sein. Caravaning wird dadurch noch bequemer und angenehmer. Und es wird noch mehr Spaß machen. Und damit ist auch die Frage beantwortet, ob sich dieser ganze neumodische Kram durchsetzen wird oder nicht. Ich denke wir stehen da noch am Anfang einer Entwicklung, von der Anfang 2017 nur die ersten Ansätze sichtbar sind. Zentrale Akteure werden die Komponentenhersteller für die Fahrzeuge sein – vor allem Truma, aber auch Dometic und Al-Ko.

 

Kastenwagen: von Einsteiger bis Luxus

Die Fahrzeuge selbst tun dazu ein Übriges: speziell im boomenden Kastenwagen-Segment ist von günstigen gut ausgestatteten Einstiegsmodellen unter 30.000 € bis hin zu Luxus-Kastenwagen im sechsstelligen Bereich eine riesige und schier unüberschaubare Bandbreite zu finden, mit Modellen die immer genauer auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind.

Das ist einerseits schön, aber: die Auswahl fällt entsprechend schwer – gute Entscheidungshilfen sind gefragt. Und genau hier hapert es noch: herstellerunabhängige, digitale Angebote zur Unterstützung von Kaufentscheidungen sind Mangelware. Die gesamte Vertriebsstruktur in der Branche ist sehr traditionell und beruht auf einem starken Händlernetzwerk, die ihrerseits noch (zu) wenig digital ticken.

 

Virtual Reality mit VR-Brillen: schöne neue Welt

Hier ist also noch viel Potential: Aktuelle Bildergalerien zu neuen Modellen, ausführliche Berichte, Videos mit Modellvorstellungen, 360-Grad-Ansichten, aktuelle VR-Inhalte – all das findet sich nur sehr vereinzelt, und nicht flächendeckend. Schade, denn inzwischen gibt es eigentlich keinen Kunden mehr der sich nicht online informiert und recherchiert, vor einer Kaufentscheidung. Positive Beispiele sind etwa die virtuellen VW Crafter Grundrisse (auf Basis eines Leserwettbewerbs), die promobil im Foyer vorstellt, die virtuellen Rundgänge bei Tabbert für die jugendlichen PEP-Modelle, oder bei Bürstner für deren Wohnmobile. Hier kann der Nutzer mittels einer VR-Brille in die Innenansicht eines Modells „eintauchen“ und bekommt ein Gefühl für das jeweilige Modell. Noch gar nicht zu sehen waren 360-Grad-Videos, die nochmal ein intensiveres virtuelles Erlebnis ermöglichen. Hier liegt noch viel Potential, genauso wie bei den VR-Brillen: auf der CMT 2017 waren hauptsächlich günstige Samsung-Modelle mit Handy als Display zu finden, die einfach zu adaptieren sind. Schon eine heutige Oculus Rift bietet da einen deutlich höheren Immersionsgrad.

 

Campingplätze: digitales Neu- äh Brachland

Wer der digitalen Entwicklung komplett hinter hinkt, sind leider die Campingplätze, vor allem in Deutschland. Hallo, liebe Platzbetreiber, die Zeiten ändern sich! Eure Kunden wollen nicht mehr jeden einzelnen Platz abtelefonieren ob noch was frei ist im Spätsommer 2017. Sie wünschen sich übersichtliche und einheitliche Buchungsplattformen, über die sie Verfügbarkeiten abfragen und bequem buchen können. Im letzten Jahr sind mit Campsy, getacamp und Maxcamping drei Anbieter gestartet, um dieses Problem zu lösen – tun sich aber extrem schwer den Markt zu erschließen. Neue Angebote wie Campanio oder Campoala sprießen aus dem Boden. Die Entwicklung wird nicht aufzuhalten sein, aus dem einfachen Grund dass Kunden danach verlangen um nicht stundenlang auf 30 verschiedenen Campingplatz-Websites einzeln die Verfügbarkeiten abzufragen. Verbände wie die Leading Campings of Europe haben da viel Missionierungs- und Aufklärungsarbeit vor sich, denn gerade bei den stark nachgefragten Top-Plätzen ist das Kundenbedürfnis besonders deutlich. Vielleicht nimmt sich ja camping.info dieser Entwicklung in 2017 endlich richtig an und stellt echte Verfügbarkeiten dar – wünschenswert wäre es, um auch beim Urlaubserlebnis mit den digitalen Entwicklungen im Fahrzeug- und im Vertriebsbereich mithalten zu können.

 

CMT: ziemlich digital

Ein besonderes Lob verdient am Ende noch die CMT selbst: die Messeorganisation macht einen durchweg gut organisierten, soliden Eindruck. Die CMT kümmert sich sehr gut um den wachsenden Haufen an Reise- und Caravaning-Bloggern und organisiert u.a. ein Bloggertreffen zu dem in diesem Jahr über 100 Blogger, Hersteller und Destinationen kamen um sich auszutauschen und zu netzwerken. Well done CMT, vielen Dank!

 

Hier noch der Bericht von der CMT 2016 und vom Caravan Salon Düsseldorf 2016.

2 Kommentare
  1. Roland Bamberger
    Roland Bamberger says:

    Hallo! Danke für den coolen Bericht über die CMT und die Digitalisierung in der Campingbranche. Der Part „Campingplätze: digitales Neu- äh Brachland“ hat mich dazu veranlasst, einen Kommentar zu hinterlassen. Wir von Camping.Info können nämlich diesen Absatz zu 100 % unterschreiben und sind auch der Meinung, dass das Ziel für uns die Erfassung der Verfügbarkeiten sein muss und – ganz richtig vermutet – 2017 wird diese Funktion noch online gehen. Mehr dazu gibt es dann im Frühjahr dazu!
    Schöne Grüße, Roland – Camping.Info

    Antworten
    • Stefan Spiegel
      Stefan Spiegel says:

      Hallo Roland,
      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Freut mich sehr dass ihr bei camping.info dieses Jahr einen Schritt in Richtung Online-Verfügbarkeiten macht – Eure Plattform hat mit ihrer Reichweite und Sichtbarkeit sicherlich das größte Potential im Markt, nachhaltig etwas zu bewegen und die Campingplätze aufzuwecken. Wir sind gespannt!

      Antworten

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.