Caravan Salon Düsseldorf 2017 – quo vadis, Caravan-Branche?

Der Caravan Salon Düsseldorf 2017 ist erst zwei Tage alt – zwei Tage, in denen wir viele Eindrücke aufgenommen haben und eine kleine Ahnung mitnehmen, wohin die Zukunft des Caravanings so gehen könnte.

Verkleinerung: back to the roots!

Ein unübersehbarer Trend auf dem Caravan Salon 2017 war bei vielen Herstellern die Verkleinerung – Kompakt-Mobile und Caravans sind ganz groß angesagt. Für kleine Führerscheine, kleine Benziner oder gar Elektroautos sind passende Lösungen gefragt – attraktive Kompakt-Mobile an allen Ecken und Enden sind die Antwort. Hier unsere – wie immer total subjektive – Auswahl:

 

XXL? California XXL!

Die aufsehenerregendste Verkleinerung trägt den passenden Namen XXL – genauer gesagt California XXL – und ist eigentlich eine Vergrößerung des ultrakompakten VW California. Der California XXL ist der unbestrittene Star des CSD 2017. Ständig von einer Menschenmenge umhüllt, war es gar nicht so leicht einen genauen Blick auf die stylische VW-Studie zu werfen. Der California XXL trägt eine weiße Kunststoff-Haube und ist innen supermodern gestaltet. Viele clevere Detaillösungen wie das doppelt untereinander faltbare Bett, ein Mini-Beamer statt einem Fernseher (auch im Dethleffs Coco zu sehen) oder die vollintegrierte Kaffeemaschine tragen zu einer maximalen Raumnutzung bei, so dass im Bulli echtes Kastenwagen-Feeling aufkommt. Na ja, verbunden mit der Ufo-Romanik durch die weiße Plastikeinrichtung. Wir sind gespannt ob wir einen Serien-XXL zu sehen bekommen und ob der dann auch noch über ein elektrisch öffnendes Panoramadach und die integrierte Kaffeemaschine verfügt. Der absolute Haben-Wollen-Faktor ist jedenfalls schon da, und VW zeigt mal einen sehr erfrischen anderen, modernen Ansatz zum Thema mobiles Reisen.

 

Mini-Caravans …

… gab es bei vielen Herstellern zu sehen – angefangen von Adria mit dem Action 391 PH (wahlweise mit integriertem Außen-Gasgrill, jawoll meine Herren), über Hymer mit seinen ungebrochen populären Tourings – die jetzt sogar in die USA exportiert werden – bis hin zu Knaus mit der ersten Serienversion des ultraleichten Travelino. Alle zeichnen sich durch Leichtbau, Gewichte zwischen 700 und 800 kg und funktionale Mehrfachnutzung des Raumes aus.

 

Dethleffs Coco: ein neuer Mini-Star unter den Kleinen

Am besten gefallen hat uns der knuffige Coco von Dethleffs, eine Caravanstudie mit Loungefeeling und unter 700 kg Gewicht. Hier ist auch das Gesamtkonzept überzeugend: die große Hängetasche vorn schafft Stauraum für Tisch & Stühle und die Markise läuft um das abgerundete Heck komplett herum und schafft so auch draußen ein äußerst wohnliches Gefühl. Da fragt man sich fast warum noch niemand früher auf diese Idee gekommen ist. Wir hoffen sehr den kleinen Coco nächstes Jahr in Serie zu sehen – und gerne mehr davon, auch von anderen Herstellern!

So kann die Zukunft des Caravanings tatsächlich aussehen – weg von monströsen Diesel-Wohnmobilen und PS-starken Zweitonnern als Zugwagen, hin zu kleinen Zugpferden mit alternativen Antrieben und überschaubarer Anhängelast. Man könnte auch sagen: zurück zu den Wurzeln!

 

Verstromung: Dethleffs e.home – sonst nix …

Während der Trend bei den Wohnwagen deutlich zu „kleiner und leichter“ zeigt, bleibt bei den Wohnmobilen die spannende Frage: wie kann die Zukunft des Wohnmobils nach dem Verbrennungsmotor aussehen? Auf diese Frage hatte genau ein Hersteller eine „greifbare“ Antwort in Form einer recht spektakulären Studie dabei: wiederum Dethleffs, mit seinem e.home genannten Elektro-Wohnmobil. Das Mobil verzichtet komplett auf Brennstoffe, und so fehlt neben dem Dieselmotor auch die Gasversorgnung – Dethleffs setzt in der Studie alles auf Strom. Im Inneren werkelt ein Induktionsherd, und Wärme kommt von einer – Achtung – in die Wände integrierten Infrarotheizung. Die Fenster verdunkeln sich ebenfalls elektronisch per Knopfdruck. Wow.

Die technischen Daten sind für ein Wohnmobil noch ernüchternd – 200 km Reichweite bei 80 km/h Maximalgeschwindigkeit, aber als Studie ist das eher egal. Die Außenfläche des E-Mobile ist komplett mit Solrzellen beklebt – an sonnigen Tagen sollen die das doppelte der benötigten Kapazität für alle internen Verbraucher (ohne den Antriebsmotor) liefern. Beeindruckend, und auf dem Campingplatz ist man mit der fahrenden Solarzelle auch der absolute King.

Selbstverständlich eigentlich, dass man alle Funktionen per Tablet steuern kann. Dethleffs setzt aber noch einen oben drauf und integriert sogar eine Alexa zur Sprachsteuerung, die auf Befehle wie „Alle Lichter aus!“ hört. Sicher kann sie bis zur Serienreife auch die Fragen aus der zweiten Reihe „Alexa, wie weit ist es noch?“ beantworten. Jedenfalls wäre DAS echt cool.

Alternativen zum Diesel? Auf dem restlichen CSD 2017 Fehlanzeige.

 

Vernetzung: noch lange nicht jeder mit jedem

Die Technik wird zunehmend digitaler, aber die Hersteller und Zulieferer tun sich noch schwer, bereits funktionierende Konzepte zur Vernetzung und Steuerung der Elektronik vorzustellen. Hobby ist hier einer der Vorreiter mit seinem CI-Bus und bemüht sich um eine möglichst integrierte Steuerung aller Technik-Komponenten in seinen Fahrzeugen – in den teureren Baureihen seirienmäßig, in den günstigeren immerhin optional. LMC hatte den Prototypen eines vernetzten Caravans als Showcase für die nächste Entwicklungsstufe ihres iBus Connect-Systems dabei – in den nächsten Monaten sollen erst ein Sondermodell und dann alle Caravans die vernetzte Technik an Bord haben können. Die Steuerungseinheit und die App sollen von Dometic kommen, die – eine iNet-Box vorausgesetzt – auch in der Lage sein wird Truma-Geräte zu steuern. Im nächsten Jahr ist es also hoffentlich soweit: endlich eine hersteller-übergreifende vernetzte Technik!

Bei Truma kann man mit der eigenen Technik grundsätzlich auch die Geräte anderer Hersteller steuern – zumindest gäbe das die Technik grundsätzlich her, gesehen haben wir leider noch nicht. Dass die Alde-Heizung via Truma-App steuerbar sein wird – geschenkt, Alde gehört schließlich zu Truma. Und Alko? Kocht mit seiner iLink-Box ein eigenes Süppchen. Die vernetzten Anwendungen erschließen sich hier nur mit der eigenen App.

Insgesamt muss man sagen, dass die Hersteller im Hinblick auf die Möglichkeiten der Digitalisierung noch (viele) Chancen liegen lassen. Vernetzung bedeutet eben auch Öffnung nach außen – damit tun sich viele schwer, aber genau das ist nötig um kundenfreundliche Anwendungen zu entwickeln. Wir brauchen keine drei Apps um einen Caravan oder Wohnmobil zu steuern, sondern eine! Und da soll am besten das Logo des Caravan-Herstellers draufkleben – also eben Hobby, LMC, und so weiter. Von wem der Hersteller die App als White Label Version bezieht ist uns dann egal.

Hier noch ein netter Beitrag von n-tv über die aktuellen Entwicklungen in der Caravan-Branche, insbesondere zur Vernetzung: n-tv Beitrag zum Caravan Salon 2017

 

Verschönerung: stilvoll versanden

Wenn es einen Gewinner beim CSD 2017 gibt, dann ist es das Innendesign. Viele Hersteller haben neue, moderne Designrichtungen gezeigt oder gar interessante Komplett-Studien vorgestellt.

  • Bürstner hatte eine hübsche und innovative Designstudie namens Harmony am Stand – hier leider nur von außen zu sehen, da Bürstner leider keine Fotos im Innenraum erlaubte und auch nicht in der Lage war solche Bilder zur Verfügung zu stellen – schade auch, aber es gibt genug andere schöne Mobile zu sehen.
  • Irgendwann ist die Menge an möglichen Grundrissen ausgeschöpft sollte man meinen. Dass Hersteller wie Hymer mit dem DuoCar dennoch innovative Studien mit neuartigen Grundrissen vorstellen ist bemerkenswert. Der DuoCar stellt das Bad ganz ins Heck des Kastenwagens und hat innen eine durchlaufende Möbelzeile. Das Sitz-Sofa lässt sich in 30 Sekunden zum Bett umbauen – wir haben gestoppt. Ein interessanter Ansatz, der weniger Auto- und mehr Lebensgefühl ins Kastenwagen-Segment bringen könnte.
  • Knaus hatte einen neuen Deseo dabei, der ein sehr stylisches Äußeres mit funktionalem Inneren (Hubbett + ratzfatz umbaubare Sitzgruppe) und Stauraum für ein Motorrad verbindet.
  • Hobby zeigt im Vantana einen Kühlschrank der in die Oberschränke integriert ist – mega-cool.
  • Am wohlsten gefühlt hat sich unsere Wohntesterin (hallo CCC) Mey aber in den schwedischen Kabe Wohnwagen: sowohl der Imperial mit seiner nagelneuen und feudalen Frontküche (Crocodile Dundee würde sagen: „DAS ist eine Küche!“) als auch der Royal mit seiner urgemütlichen Sitzecke vorne fanden viel Anklang. Kabe ist eben Luxus, und inzwischen stehen die Schweden durchaus auch für gemütliches Interieur.

 

Apropos: Luxus gab es natürlich einigen zu sehen, und das nicht gerade knapp. Als kleines Highlight haben wir uns einmal den Vario Perfect 1200 SH von Variomobil angesehen, für 1.230.000 Euro. Ohne den Porsche in der Heckgarage. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie ein 1,2 Mio. € Reisemobil von innen aussieht, bitte schön:

 

So, das war’s von uns erst mal – viele Grüße von Eurem familyontour CSD 2017 Team Mey und Stefan!

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